Schlepping durch die Alpen
Ich habe gelesen: “Schlepping durch die Alpen – Ein etwas anderes Reisebuch” von Sam Apple.
Worum geht es? Sam (der junge jüdische Journalist aus New York) lernt Hans (den letzten Wanderschäfer Österreichs) in New York kennen und beschliesst, diesen auf seinem Weg durch die österreichische Bergwelt zu begleiten. Das Besondere an Hans: er geht nicht nur mit seinen 625 Schafen auf Wanderschaft, sondern singt diesen auch oft und gerne jiddische Lieder vor …
Wer nun eine spektakuläre Alpendurchquerung erwartet liegt falsch, die Wanderung bildet lediglich den Einstieg in diese Geschichte. In der Hauptsache geht es dem Autoren darum, mehr über das Leben dieses ungewöhnlichen Mannes zu erfahren, die eigenen jüdischen Wurzeln zu überdenken und dem österreichischen Antisemitismus auf die Spur zu kommen.
Es geht also um “Schafe, Judentum, Haider und die FPÖ”, weniger um das Reisen oder die Alpen an sich.
Sam Apple gelingt die Abhandlung dieser Thematik in durchaus lobenswerter Weise, wir bekommen einen interessanten Einblick in die gegenwärtige, alpenländische Gesellschaftsstruktur und halten somit tatsächlich ein brisantes Werk in den Händen. Wenn er dabei noch auf die allzu häufige, ausführliche (und mich extrem nervende) Beschreibung seiner hypochondrischen Attacken verzichtet hätte könnte ich sein Buch hier uneingeschränkt empfehlen…
So bleibt aber diese Empfehlung auf ein tatsächlich “anderes Reisebuch” mit “zwei Punkten Abzug (von fünf)” versehen.

Deine Rezension kommt zwei Tage zu spät: ich habe es gerade meiner 70jährigen Tante, einer begeisterten Bergziege, die jedes Wochenende irgendwo in den Alpen herumstiefelt, zum Geburtstag geschenkt. Naja. Trotzdem Danke.
als völligen Missgriff würde ich es nicht bezeichnen wollen. Es ist ein Buch, welches von einem jüdischen, stadtneurotischen New Yorker Hypochonder für andere jüdische, stadtneurotische New Yorker Hypochonder geschrieben wurde. Dort dürfte es gut landen, denke ich.