Neu im Regal: Mule Variations
Mule Variations, in neunzehnhundertneunundneunzig bei Epitaph(!) erschienen, ist für mich das beste Tom Waits-Album überhaupt.
Neben abstrusen, herrlich schrägen Krachern finden sich locker-beschwingte Balladen, vom Meister mit beinahe klarer Stimme vorgetragen. Dazu sollte man wissen, daß die Platte komplett in einem Hühnerstall aufgenommen wurde. Das ist doch einmal eine originelle Idee …
Zwischen surreal und rural stuft Waits seine Musik ein – surrural, ganz einfach. Dabei steht die Platte in guter Tradition altbekannter Stücke: Hymnisch-herzergreifend in Goergia Lee, scheppernd mit drive als Godzilla in Big In Japan oder eben doch katertröstend in Cold Water. Für Abwechslung ist gesorgt, zumal Waits nicht müde wird, neue Instrumente zu entwickeln mit denen er konsequent gegen die Melodie vorgeht, die doch so eingängig wäre. Da Noten aber sowieso zeitlos und in der Welt sind, wird gekratzt und sei es mit der Stimme. Was daraus resultiert ist eine Platte, die im Gegensatz zum schokoladenen Heiland überhaupt nicht schmilzt, sondern mehrfachen Genuß unbeschadet übersteht. (laut.de)
In diesem Sinne ziehe ich also den Hut vor diesem kauzigen Barden und freue mich dumm und dusselig über den neuen Klassiker in meinem Archiv.
Anspieltipp: Cold Water (iTMS) oder besser dieses Video ansehen.
