Der Archipel GULAG
Alexander Solchenizyns “Der Archipel GULAG” stand schon lange auf meiner Liste der noch ausstehenden Lektüre. Mit Recht darf es als das wohl wichtigste Werk zur Geschichte der Sowjetunion bezeichnet werden (allein die Aufnahme als Pflichtlektüre in den Lehrplan der höheren Klassen scheint mir dringend angebracht, trägt es doch wie kein anderes zum besten Verständnis der russischen Geschichte bei).
„Hier ein Schnappschuss aus jener Zeit… Eine Bezirksparteikonferenz… Am Ende wird ein Schreiben an Stalin angenommen, Treuebekenntnis und so. Im kleinen Saal braust stürmischer in Ovationen übergehender Applaus. Drei Minuten, vier Minuten, fünf Minuten … noch immer ist es stürmisch und geht noch immer in Ovationen über, doch die Hände schmerzen bereits. Die Älteren schnappen nach Luft. Aber wer wagt es als erster (aufzuhören)? Im kleinen, unbedeutenden Saale wird geklatscht … und Väterchen kann es gar nicht hören. Und so setzt der Direktor in der elften Minute eine geschäftige Mine auf und lässt sich in den Sessel fallen…. In selbiger Nacht wird der Direktor verhaftet.” Die Mahnung des Untersuchungsrichters lautet: „Und hören sie in Zukunft nie als erster mit dem Klatschen auf.”
Solchenizyn schreibt über das Geschehen in den Straflagern der ehemaligen Sowjetunion, über Menschenrechtsverletzungen und maßlose Willkür in einem Land, dessen Rechtssprechung einzigartig pervertiert ist. Dabei schreibt der Autor aus eigener Erfahrung, saß selbst von 1945 bis 1953 im Lager und wurde nach der Veröffentlichung dieses Buches 1974 aus der Sowjetunion ausgewiesen.
Verweis: Alexander Solchenizyn – Der Archipel GULAG: Vom Verfasser autorisierte überarbeitete und gekürzte Ausgabe in einem Band (amazon-Partnerlink)
