Eric Hobsbawm (92), seines Zeichens Marxist, Kapitalismuskritiker und einer der bedeutendsten Historiker unserer Zeit, entwirft in seinem Interview mit dem Stern ein bemerkenswert düsteres Zukunftsszenario.

… fällt es immer noch unfassbar schwer zu verstehen, wieso die Ideologen der entfesselten Marktwirtschaft, deren Vorgänger schon einmal so eine fürchterliche Katastrophe, also Armut, Elend, Arbeitslosigkeit, letztendlich auch den Weltkrieg mitverursacht haben, in den späten Siebzigern, den 80er, 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder das Sagen haben konnten … Alles ist möglich. Inflation, Deflation, Hyperinflation. Wie reagieren die Menschen, wenn alle Sicherheiten verschwinden, sie aus ihrem Leben hinausgeworfen, ihre Lebensentwürfe brutal zerstört werden? Meine geschichtliche Erfahrung sagt mir, dass wir uns – ich kann das nicht ausschließen – auf eine Tragödie zubewegen. Es wird Blut fließen, mehr als das, viel Blut, das Leid der Menschen wird zunehmen, auch die Zahl der Flüchtlinge. Und noch etwas möchte ich nicht ausschließen: einen Krieg, der dann zum Weltkrieg werden würde – zwischen den USA und China.

Einem Mann, der bereits die Große Depression in den 30er Jahren in Berlin erlebte und Zeuge des Zusammenbruchs dreier Gesellschaftssysteme wurde, sollten wir meines Erachtens durchaus Gehör schenken. Den Ausweg aus der gegenwärtigen Krise benennt er allerdings auch, und diesen Gedanken teile ich so gerne:

Ich sehe nur einen Weg aus dem Dilemma, der aber setzt eine fundamentale Bewusstseinsveränderung voraus, er ist ein internationales, ein Riesenprojekt: die Welt gegen die Umweltgefahr sicherer machen. Das würde helfen, die Wirtschaft anzukurbeln, aber es wäre auch ein Projekt, das man gegen die Marktkräfte durchsetzen müsste.

Ein radikales Umdenken tut also not. Dabei jedoch auf die Kader dieser Demokratie der Monopole – sprich Lobbyisten in Amt und Würden sowie Parteisoldaten jedweder Couleur – zu setzen, hieße den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, das müssen wir schon selber tun.

Wir sollten endlich dort weitermachen, wo wir 1989 angefangen haben …