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Der Turm – Geschichte aus einem versunkenen Land

Ich gebe zu: es ist ein ordentlicher Brocken, den uns Uwe Tellkamp da serviert, und er liegt zum Teil schwer im Magen. Der Roman ist ja schon vielmals erwähnt, besprochen und gelobt worden – und um es gleich zu sagen: ja, ich schließe mich dem Lobe an. Ein großes Epos ist es geworden, eine lesenswerte Geschichte – jedoch mit Haken und Ösen, die ursächlich in der komplizierten Schreibweise des Autors begründet liegen. Diese erfordert ein hohes Maß an Geduld und Zeit, wer dies nicht investieren mag lasse die Finger vom Werk. Die ausgeprägte Liebe zum Detail und wohlfeile, perfekt ausformulierte Text-Passagen erfordern die volle Aufmerksamkeit des Lesers (ich möchte gerne einmal erfahren, wie lange Herr Tellkamp an seinem “Turm” schrieb). Leider gerät dies nicht immer zum Vorteil, diverse “Textblöcke” treiben die Handlung nicht wirklich voran und bergen somit die Gefahr des Überlesens, der aufkommenden Langeweile. Beinahe peinlich wirkt es dazu immer dann, wenn er die vergangenen Klischees bemüht – dies ist schlicht unnötig und hat bei mir oftmals zu Kopfschütteln und Ablehnung geführt. Mag sein, daß der mensch in diesem Punkt vielleicht empfindlicher reagiert als der unvoreingenommene, neugierige Leser von “draußen” …

Fazit: Uwe Tellkamp hat die Meßlatte im – wenn man so will – Genre “Wende-Roman” – ziemlich hoch gelegt, das Überbieten dürfte schwerfallen.

Bleibt noch die Inhaltsangabe – hier sei es der Einfachheit halber erlaubt den Klappentext zu zitieren:

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der “süssen Krankheit Gestern” der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze – oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der “roten Aristokratie” im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk “Ostrom”, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.
In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben, der den Turm mit sich reissen wird.

Verweis: Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman
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0 Kommentare

  1. ich gebe dir völlig recht – so empfinde ich es auch – auch wenn ich erst auf seite 400 rumdümpel – aber es fesselt mich doch immer wieder ….

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  2. für dresdner ist es allerdings auch doppelt schwer – manche straßennamen stimmen, manche sind phantasie und so ist es auch mit figuren und gebäuden – siehe sybillenhof – luisenhof und arbogast – ardenne. so schwankt man ständig zwischen fiktion und wirklichkeit hin und her…

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  3. da nach der beschreibung diese kohleninsel in oberloschwitz sein müßte bleibt nur fiktion (eine solche institution hat es ja nun auch wirklich nicht gegeben) — wobei eine brücke vom weißen hirsch nach oberloschwitz durchaus einmal im gespräch war – aber zum glück zu teuer…

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  4. ich glaube, den Schmöker hatte ich bei meinem letzten DD-Besuch im Haus des Buches in den Händen, habe dann aber alle drei Bände von den Mordssachsen gekauft. Da ich diese nun aber durchhabe (durchaus empfehlenswert) werd ich doch mal wieder bei meinem Buchhändler vorbeischauen.

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  5. dirk: oberloschwitz kenne ich in gegenwart und vergangenheit so gut wie gar nicht, will schon lange dort mal eine runde drehen. es wird erzählt, daß dort schon so einige menschen auf tellkamps spuren wandeln …

    jana: wir haben dich gewarnt ;)

    ähm … wer sind denn die mordssachsen mit den drei bänden :?

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  6. @ derbaum: ich hoffe spätestens im juni (habe zur zeit einen straff gefüllten terminkalender), ich würde dann kurzfristig nachfragen :-)

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  7. Ich les das Buch nun auch (am Montag im Haus des Buches gekauft ;- ) – stimme mit dem Bäumchen überein, der MIx aus existierenden und erfundenen Orten verwirrt etwas und man ist oft mit überlegen abgelenkt, welche Strasse, Haus etc. er nun meint. Aber alles in allem sehr fesselnd!

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  8. ich möchte es im nachhinein auch nicht mehr missen im regal und wünsche weiterhin eine angenehme lektüre …

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